• Christoph Zinsstag

Ein neues Zuhause

Im letzten Rundbrief vom Mai erzählten wir auch von der Aufnahme von 20 neuen Kindern. (Bild: Mahider und Bruder Makibel vor dem Umzug ins Selam)

20 weitere hätten nachfolgen sollen, doch der Lockdown hat dies verzögert. Nun, Mitte Juli, stiessen weitere neun Kinder dazu, die in ein eigenes Haus einziehen, wo sie die ersten Wochen als eine Art Quarantäne unter sich bleiben können. Was die Aufnahme im Selam Kinderdorf bedeutet, beschreibt uns die verantwortliche Sozialarbeiterin Seble am Beispiel der Geschwister Mahider und Makibel Mesfin, die beide mit der Märzgruppe im Kinderdorf ankamen:

Die Mutter der sechsjährigen Mahider und des zweijährigen Makibel verdiente ihren Lebensunterhalt in Nachtklubs. Die Kinder, zu denen auch ein Bruder im Babyalter gehörte, liess sie jeweils allein in ihrem Kämmerlein hinter verschlossener Tür und überliess die Verantwortung für die Kleinen der ältesten Tochter Mahider. Eines Nachts starb das Baby in ihrer Abwesenheit und die Mutter landete daraufhin im Gefängnis. Die Geschwister wurden ins Auffangheim gebracht. Als wir die für Selam bestimmten Kinder zum erstenmal dort besuchten, hängte sich Mahider sogleich an uns und bettelte:

«Ich will mit euch gehen und meinen Bruder Makibel auch mitnehmen!» - Mahider, 6 Jahre alt

Makibel war offensichtlich mangelernährt und zurückgeblieben, unfähig selber zu gehen oder zu sprechen. Mit Liebe und Fürsorge, guter Ernährung und medizinischer Betreuung veränderte sich sein Zustand schnell. Bald überliess Mahider ihre lange eingeübte Verantwortung für ihren Bruder an Hausmutter Emebet. Inzwischen ist Makibel nicht mehr wiederzuerkennen. Er ist fröhlich und aktiv und spielt mit seinen Selam-Geschwistern. Seine grosse Schwester kann nun endlich Kind sein!

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