SELAM-Geschichte

SELAM feiert in diesem Jahr das 35-jährige Bestehen. In den letzten Jahren erhielten unzählige Kinder und Jugendliche die Chance eine Ausbildung abzuschliessen und somit ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Wir sind gespannt was in den nächsten Jahren auf uns zukommt. Doch, wie ist SELAM eigentlich entstanden?

Vorgeschichte SELAM

David und Marie-Luise Röschli kamen 1962 mit ihren 4 Kindern nach Äthiopien, wo sie bis 1975 wohnhaft blieben. In dieser Zeit adoptierten sie sechs einheimische Geschwister einer Nachbarsfamilie. Nach dem Sturz des Kaisers Haile Selassie kehrten sie als zwölfköpfige Familie in die Schweiz zurück. Die ganze Vorgeschichte von SELAM kann in den Büchern von Marie-Luise Röschli nachgelesen werden. 

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Wer hat SELAM gegründet?

Hinter SELAM steckt nicht nur eine Gründerin, sondern eine ganze Gründerfamilie. Zahai Röschli (selbst ein Waisenkind), die älteste von sechs Adoptivkinder von Marie-Luise und David Röschli, wuchs in Äthiopien auf. Aufgrund der herrschenden Hungersnot in Nordäthiopien in den Jahren 1983/84, entschied sich Zahai Röschli, im Frühling 1985 zurück nach Äthiopien zu ziehen und ein Waisenhaus in Addis Abeba zu gründen. Ihre Eltern, Familie und Freunde haben sie bei ihrem Vorhaben unterstützt. Marie-Luise und David Röschli sind 1989 wieder nach Äthiopien ausgewandert, um Zahai bei ihrer Arbeit vor Ort zu unterstützen.

Leider mussten wir in der Zwischenzeit von Marie-Luise und David Röschli Abschied nehmen. Hier sehen Sie, wer von der Gründerfamilie heute noch bei SELAM tätig ist.

Wie ist SELAM entstanden?

Nach dem Bau des Waisenhauses folgten bald eine eigene Schule, eine Klinik sowie verschiedene landwirtschaftliche Projekte. Die Frage, wie es für die Kinder nach der regulären Schulzeit weitergehen soll, bewog Marie-Luise und David Röschli, ein Berufsbildungszentrum aufzubauen. Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, eine handwerkliche Ausbildung direkt im SELAM zu absolvieren. Praktisch ausgebildete Menschen sind wichtig für die Entwicklung des Landes. So ist SELAM über die letzten 35 Jahre immer weiter gewachsen, doch die Vision, hat sich nicht verändert - Kindern, Jugendlichen und der lokalen Bevölkerung ein eigenständiges Leben zu ermöglichen.

Meilensteine

Die Geschichte und Entwicklung von SELAM ist stark geprägt durch Vertrauen, Freundschaft und harte Arbeit. Erfahren Sie hier mehr über die wichtigsten Meilensteine von SELAM.

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30'000m2 Land

Die äthiopische Regierung hat 1984 mit einem Bericht im Fernsehen die Menschen im Ausland gebeten, Hilfe für Äthiopien zu leisten. So reiste Zahai kurz danach wieder zurück nach Äthiopien, um sich ein Bild von der Situation machen zu können. Nachdem sie ein Flüchtlingslager besucht hatte, war für sie klar, dass sie jetzt etwas unternehmen musste.  Sie verhandelte mit der äthiopischen Regierung und erhielt 30'000 m2 Land für den Bau eines Kinderheims. David, Zahai's Vater zeichnete alle Pläne für die benötigte Infrastruktur.

Die ersten Kinder

Wieder zurück in der Schweiz erzählte Zahai ihren Freunden und Bekannten von ihrem Vorhaben. Innert kürzester Zeit erhielt sie eine grosse Menge an Kleidern, Lebensmitteln und Baumaterial. Im Mai 1985 reiste der erste vollbepackte Schiffscontainer nach Äthiopien. Am 16. Juli 1986 zogen die ersten 19 Knaben und 13 Mädchen im Kinderheim SELAM ein. Ende Jahr waren es bereits 69 Kinder.

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Die erste Schule

Die staatlichen Schulen waren zu dieser Zeit überfüllt und so kam es, dass SELAM eine eigene Schule aufbaute. David zeichnete ein Schulhaus mit 4 Klassenräumen für alle SELAM Kinder. 1988 wurden bereits 343 Kinder aus dem Kinderdorf und der Umgebung im SELAM unterrichtet.

 

Das Berufsbildungszentrum

David und Marie-Luise Röschli entschieden 1989 erneut nach Äthiopien auszuwandern, um den Bau eines Berufsbildungszentrums und weitere Projekte, wie eine Klinik, in Angriff zu nehmen. Dafür erhielten sie von der Regierung 400'000 m2 Land. Alle Pläne für die Werkstätten, Büros, Schlafhäuser, Cafeteria wurden unter der Anleitung von David gezeichnet. 1991 war es dann soweit - die ersten 18 Lernenden begannen ihre Schlosserausbildung. Geplant wurden weitere Ausbildungen im Bereich Elektrotechnik, Fahrzeugmechanik, Landwirtschaft sowie Hauswirtschaft. 

 

Beginn der Nachbarschaftshilfe

Während der schlimmen Hungersnot verteilte SELAM regelmässig Nahrungsmittel und Kleidung an Ex-Soldatenfamilien und Geflüchtete. Die Klinik, die unter anderem von der Schweizer Regierung finanziert wurde, konnte 1988 fertiggestellt werden. Und in ca. 1'000 Konsultationen werden Menschen innerhalb und ausserhalb des SELAMs medizinisch versorgt. 

 

Hawassa als zweiter Standort

Anfang 2007 übergaben David und Marie-Luise Röschli die SELAM Hauptleitung an Markus und Corinne Büchler und zogen nach Hawassa (Süden Äthiopiens), um mit der holländischen Hilfsorganisation Dorcas ein zweites Berufsbildungszentrum aufzubauen: Selam Awassa Business Group plc (SABG). In SELAM Awassa werden Berufsausbildungen im Bereich Hauswirtschaft und Metall- und Maschinenbau angeboten.

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CZ_Übergabe Markus Büchler an Zenebe und

Unter äthiopischer Leitung

Aufgrund eines neuen Gesetzes für NGOs (Nichtregierungsorganisationen) bildete sich Ende 2009 ein äthiopischer SELAM-Verein. Dessen Vorstand übernahm die strategische Verantwortung. Am 29. Juni 2010 übergab Markus Büchler die Leitung von SELAM an Zenebe Tesfaye, womit nun auch die operative Führung ganz in äthiopische Hände gelangte. Die Gründerin Zahai Röschli wurde kurz darauf in den nationalen Vorstand gewählt. Von Zenebe Tesfaye ging die Leitung 2015 an Shewangezaw Lulie über und von diesem 2018 an den heutigen Direktor Solomon Chali. 

 

Dire Dawa als dritter Standort

Im Oktober 2019 wurde in Dire Dawa, im Osten von Äthiopien, eine weitere Lehrwerkstatt eröffnet unter der Leitung von Ashenafi Berhanu. Der Standort wurde ebenfalls mit Hilfe der Partnerorganisation Dorcas aufgebaut. Der Fokus liegt aktuell auf der Metallbauausbildung und der Produktion, einerseits für den Eigenbedarf, anderseits werden auch klassische SELAM-Produkte wie Steinpressen und Schubkarren hergestellt.

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SELAM Elshadai Wukro 

Am 01. August 2021 hat der Integrationsprozess vom Projekt Wukrokinder in den Verein Kinderheim SELAM Äthiopien begonnen. Das von Einheimischen geführte Kinderdorf Elshadai Wukro wird seit über 10 Jahren von einem ehrenamtlichen Team in der Schweiz unterstützt. Das Projekt erlebte in den letzten Jahren einen starken Wachstum. Um eine gesunde Weiterentwicklung zu fördern, hat sich das Team für eine Projektintegration entschieden. Monika Gilgen vom ehrenamtlichen Wukro-Projektteam ist dem Vorstand von SELAM Schweiz beigetreten. Mehr zum Projekt Wukrokinder finden Sie in unserem Blogbeitrag oder auf der Webseite vom Projekt Wukrokinder.

 

Heute

SELAM hält auch nach 35 Jahren Bestehen noch an der ursprünglichen Vision fest - Menschen in Äthiopien ein eigenständiges Leben zu ermöglichen - und setzt sich weiterhin täglich für bedürftige Menschen ein. 

Über die letzten Jahre konnten wertvolle Partnerschaften mit verschiedensten Organisationen, Agenturen oder Firmen aufgebaut werden, welche ebenfalls dazu beigetragen haben, dass sich das SELAM weiterentwickeln konnte.